Max-Planck-Stiftung führte im November eine Schulung zum fairen Verfahren in Myanmar durch

In Zusammenarbeit mit der International Development Law Organization (IDLO) führten Mitarbeiter/-innen der Max-Planck-Stiftung eine interaktive Schulung für Staatsanwälte aus Myanmar durch

Die Schulung war durch das United Nations Development Programme (UNDP) finanziert worden und fand im Büro der Generalanwaltschaft (UAGO) in NayPiyTaw statt. Sie stellte den ersten Teil eines größer angelegten Politprojekts dar. Im Rahmen des einwöchigen Workshops kamen moderne Schulungsmethoden zum Einsatz, die ausgewählte Trainer dazu befähigten, zukünftig selbst Workshops zu den Standards eines fairen Verfahrens unter den Bedingungen des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR) durchzuführen. Dadurch wurde ein Weg für weitere Trainerausbildungen geschaffen.

Der Generalstaatsanwalt war nach Erlass der Verfassung Myanmars im Jahre 2008 ernannt worden. Die Generalanwaltschaft ist in vier verschiedene Abteilungen gegliedert - die Verwaltungsabteilung, die Strafverfolgung, die Abteilung für Rechtsberatung sowie die Abteilung für Gesetzesüberprüfung und Beratung in den verschiedenen Stadtteilen und Gemeinden. Die 34 Justizbeamten, die von der Generalanwaltschaft eingeladen worden waren, kamen aus mehr als neun verschiedenen Stadtteil- und Gemeindebüros Myanmars, um an der praxisbezogenen Schulung teilzunehmen.

Die Tatsache, dass Myanmar kein Unterzeichner des International Pakts über bürgerliche und politische Rechte ist, hinderte die Teilnehmer/-innen nicht daran, die Schulung mit Interesse und Enthusiasmus zu verfolgen und mehr über die internationalen Standards erfahren zu wollen. Das Training bestand aus zwei Abschnitten: Vorlesungen am Morgen gefolgt von interaktiven Fallbesprechungen am Nachmittag. Die Beamten/-innen beteiligten sich lebhaft an allen Diskussionen und scheuten nicht davor zurück, ihre Meinung kundzutun.

Ziel der Experten/-innen der Max-Planck-Stiftung war es, den Teilnehmer/-innen durch enge Zusammenarbeit ein grundlegendes Verständnis für die internationalen Standards des fairen Verfahrens zu vermitteln. Die Frage nach der Relevanz des ICCPR für das Strafrecht in Myanmar sorgte für hitzige, aber konstruktive Debatten. Zudem organisierte das Max-Planck-Team zum Abschluss und als Höhepunkt der Schulung einen Scheinprozess. Dafür arbeitete das Max-Planck-Team mit zwölf Trainern zusammen, die vor Ankunft der Experten einen einwöchigen Kurs zur Lehrmethodik besucht hatten.

Die Max-Planck-Schulung zum fairen Verfahren war die erste ihrer Art, die in Zusammenarbeit mit der UAGO in Myanmar durchgeführt wurde. Auf Grundlage des Trainings entwickelte das Max-Planck-Team ein auf den Standards des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte und dem Recht Myanmars basierendes Handbuch. Dieses Handbuch wurde den Mitarbeitern und Beamten des UAGO für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt.