Wissenschaftlicher und Entwicklungspolitischer Beirat


Der Beirat nimmt hinsichtlich der thematischen und regionalen Schwerpunkte eine beratende Funktion innerhalb der Stiftung wahr. Alle Mitglieder sind hochrangige Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik, die mit den Projektaktivitäten der Stiftung ebenso vertraut sind wie mit aktuellen entwicklungspolitischen Angelegenheiten.  


Francisco Orrego Vicuña (Vorsitzender)

Francisco Orrego Vicuña ist chilenischer Jurist und als Richter an verschiedenen internationalen Schiedsgerichten tätig. Im Jahr 1965 erhielt er seinen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Universität Chile und promovierte 1986 an der London School of Economics and Social Sciences. Seine internationale Karriere begann er als Senior Legal Advisor für die Organization of American States (1965–1969 und 1972–1974). Im Anschluss daran wurde er Direktor am Institute of International Studies der Universität Chile von 1974 bis 1983. Von 1983 bis 1985 vertrat er Chile als Botschafter im Vereinigten Königreich. Er ist heute als Richter an den Schiedsgerichten der Internationalen Handelskammer und dem London Court of International Arbitration, dem Permanent Court of Arbitration und der Welthandelsorganisation tätig und Arbitrator für die 20 Essex Street Chambers. Darüber hinaus war er Präsident des chilenischen Council on Foreign Relations (1989–2000) und Richter am Verwaltungsgericht der Weltbank von 1992 bis 2009 (Präsident 2001–2004). Im Jahr 2000 wurde er als Richter (ad hoc) an den Internationalen Seegerichtshof berufen, wo er bis 2009 tätig war. Er war von 1995 bis 2010 Mitglied des Panel of Arbitrators and Conciliators des International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID) und Präsident des Panel der United Nations Compensation Commission (UNCC) von 1998 bis 2001. Im Jahr 2007 erhielt Francisco Orrego Vicuña die Ehrenmedaille der Universität Heidelberg.

Seit Januar 2015 ist er Vorsitzender des Beirats.


Michael Wood (Stellvertretender Vorsitzender)

Sir Michael ist Mitglied der UN-Völkerrechtskommission und Senior Fellow am Lauterpacht Centre for International Law, University of Cambridge. Er ist als Anwalt der 20 Essex Street, London, im Bereich Völkerrecht tätig und tritt als solcher unter anderem vor Internationalen Gerichten auf. Von 1999 bis 2006 war er Rechtsberater im Foreign and Commenwealth Office (FCO) des Vereinigten Königreichs, in das er 1970 als Assistant Legal Advisor aufgenommen wurde. Er hat an zahlreichen internationalen Konferenzen wie etwa an den „Zwei-Plus-Vier-Gesprächen“ über die deutsche Wiedervereinigung, die Lancaster-House-Konferenz über Rhodesien, die Friedenskonferenzen für Kambodscha sowie die Dayton und Rambouillet Konferenzen über das ehemalige Jugoslawien teilgenommen. Darüber hinaus war er an mehreren anderen bedeutenden Prozessen beteiligt, darunter der Lockerbie-Prozess und der Legality of Use of Force-Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof sowie der Bangladesch/Myanmar-Fall vor dem Internationalen Seegerichtshof. Er ist Mitglied des Fachbeirats des Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht Heidelberg.

Seit Januar 2015 ist er stellvertretender Vorsitzender des Beirats.


Kamal Hossain

Kamal Hossain ist Rechtsanwalt und Politiker in Bangladesch. Er erhielt einen Bachelorabschluss der Rechtswissenschaften im Jahr 1957 und einen des Zivilrechts 1958 von der Oxford University, wo er 1964 auch promovierte. Kamal Hossein hatte verschiedene Positionen in Bangladeschs Regierungen nach der Unabhängigkeit inne: Er war Justizminister (1972–1973), Außenminister (1973–1975) und Minister für Öl- und Mineralreserven (1974–1975). Während seiner Zeit als Justizminister war er i hohem Maße an der Ausarbeitung der Bangladescher Verfassung beteiligt. Neben seiner Tätigkeit in der Regierung wirkte Kamal Hossain zudem an der Arbeit der Vereinten Nationen mit: Von 1998 bis 2003 war er VN-Sonderberichterstatter für Afghanistan und Mitglied der Entschädigungskommission der Vereinten Nationen (1999–2005). Darüber hinaus ist er stellvertretender Vorsitzender der International Law Association in London und Mitglied des Beirats von Transparency International.


Anne Peters

Anne Peters ist deutsch-schweizerische Professorin für Völker- und Staatsrecht an den Universitäten Basel und Heidelberg und seit 2013 Direktorin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Sie promovierte im Jahr 1994 an der Universität Freiburg zum Thema: „Das Gebietsreferendum im Völkerrecht: seine Bedeutung im Licht der Staatenpraxis nach 1989“. Es folgte ein einjähriges Graduiertenstudium an der Harvard Law School und im Jahr 2000 ihre Habilitation „Elemente einer Theorie der Verfassung Europas“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. An der Universität Basel, wo sie seit 2001 die Professur für Völker- und Staatsrecht inne hat, war sie zudem von 2004 bis 2005 Dekanin der Juristischen Fakultät. Anne Peters war von 2010 bis 2012 Präsidentin der European Society of International Law.


Günther Schlee

Günther Schlee ist Gründungsdirektor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, wo er seit 1999 die Abteilung „Integration und Konflikt“ leitet. Zuvor war er Inhaber der Professur für Sozialanthropologie an der Universität Bielefeld. Er ist Honorarprofessor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität Leipzig. In Hamburg studierte Günther Schlee Völkerkunde, Romanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft. Promoviert hat er 1977 über „Das Glaubens- und Sozialsystem der Rendille, einer Ethnie in Nordkenia.“ Seine Habilitation erlangte er 1986 in Bayreuth mit „Identities on the Move: Clanship and Pastoralism in Northern Kenya“, einer Arbeit, die sich mit Prozessen der Ethnogenese befasst. Neben ausgedehnten Forschungsaufenthalten in Kenia, Äthiopien und im Sudan war er Gastdozent in Padang (Sumatra) und an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris. Kennzeichnend für die Forschung von Günther Schlee ist das „interethnische“ Vorgehen sowie die Kombination von historischen, soziologischen und philologischen Methoden. Davon zeugt auch sein Buch „How Enemies Are Made: Towards a Theory of Ethnic and Religious Conflict“ (Berghahn Books, 2008). Seine Herausgeberschaften umfassen die „Zeitschrift für Ethnologie“ (1998–2011), „Nomadic Peoples“ und die „Integration and Conflict Studies“ bei Berghahn Books. 2014 übernahm Günther Schlee die Rolle als Sprecher der International Max Planck Research School on Retaliation, Mediation and Punishment.


Joseph Sinde Warioba

Joseph Sinde Warioba war von 1985 bis 1990 Premierminister in Tansania. Nachdem er für das Außenministerium (1971–1975) und als Generalstaatsanwalt (1976–1983) tätig war, wurde er 1983 Justizminister von Tansania. Er hat 1966 einen Bachelor of Laws (LL.B.) am University College Dar-es-Salam abgeschlossen und graduierte 1970 bei der Haager Akademie für Völkerrecht. Er war Richter am Internationalen Seegerichtshof (1996–1999) und am East African Court of Justice. Im April 2012 betraute ihn der Präsident Tansanias mit der Aufgabe, als Vorsitzender der Constitutional Review Commission eine neue Verfassung für das Land zu entwerfen. Er publizierte unter anderem im „Max Planck Yearbook of United Nations Law“ zum Thema „Monitoring Compliance with and Enforcement of Binding Decisions of International Courts.“


Erika de Wet

Erika de Wet ist seit 2011 Professorin für Völkerrecht an der Universität Pretoria und Ko-Direktorin des Institute for International and Comparative Law in Africa. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Free State University, Südafrika, wo sie ihr Studium mit einem Bachelor of Law und einer Promotion abschloss. Sie erwarb außerdem einen Master of Law der Harvard University und habilitierte sich an der Universität Zürich zum Thema „The Chapter VII Powers of the United Nations Security Council.“ Von 2004 bis 2010 war de Wet Professorin für internationales Verfassungsrecht am Amsterdam Center for International Law der Universität Amsterdam. Sie lehrt zudem regelmäßig an der Universität Zürich und der Universität Bonn. Erika de Wet veröffentlichte unter anderem in der „Zeitschrift für Ausländisches Öffentliches Recht und Völkerrecht“ und ist Autorin mehrerer Beiträge in der „Max Planck Encyclopædia of Public International Law“. Sie ist Mitherausgeberin von „Hierarchy in International Law: The Place of Human Rights“.