Kolumbien

Im bewaffneten Konflikt zwischen der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) und der kolumbianischen Regierung, der seit über 50 Jahren andauert, steht ein Friedensabkommen unmittelbar bevor. Der Friedensprozess als solcher, einschließlich eines Transitional-Justice-Prozesses, basiert hingegen auf einem bestehenden rechtlichen Rahmenwerk. Der Ansatz zur Friedenssicherung baut auf das Opfer- und Landrückgabegesetz Nr. 1448 von 2011 auf. Dieses Gesetz zielt auf eine umfassende Entschädigung aller Opfer des Krieges. Dabei sollen sowohl alle entstandenen Schäden berücksichtigt werden, als auch zuvor bestehende Vulnerabilitäten, die in vielen Fällen die schädigende Wirkung verstärkt haben.

Der kolumbianische rechtliche Rahmen für Entschädigungen sieht eine differenzierte Behandlung von Personen vor, die aufgrund ihres Geschlechts und ethnischen Identität, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Alters oder ihrer Behinderung in der Vergangenheit besonders verwundbare Opfer struktureller Diskriminierung waren bzw. gegenwärtig sind. Das Gesetz sieht zu diesem Zweck eine gesonderte Institution vor, das Nationale System für Opferbetreuung und Entschädigung (SNARIV), das von der Einheit für umfassende Opferbetreuung und Entschädigung (UARIV) koordiniert wird. Jedoch ist die Implementierung des Gesetzes im Kontext massiver Viktimisierung mit mehr als sieben  Millionen registrierten Opfern schwierig, besonders wenn ein Opfer auf mehrfache Weise geschädigt ist. Umfassende Reparation erfordert in solchen Fällen die Überschneidung verschiedener Ansätze – ein theoretisch und praktisch herausfordernder Prozess.

Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des Projektes die Stärkung der Qualität und Wirkung des Reparationsprozesses, insbesondere im Interesse der Opfer, die auf Grund struktureller Diskriminierung besonders verwundbar sind. Es ist Teil der kolumbianischen und internationalen Bemühungen, für die Opfer des bewaffneten Konfliktes Gerechtigkeit zu schaffen.

Die Max-Planck-Stiftung, mit ihrem akademischen und zugleich praxisorientierten Hintergrund, will dazu beitragen, dass die Frage der Intersektionalität im Reparationsprozess durchgängig berücksichtigt wird. Wissenslücken auf lokaler Ebene sollen geschlossen werden, lokale Akteure im Reparationsprozess zur Reflektion über Möglichkeiten der Umsetzung vorhandenen Wissens und dazu verfügbare Instrumente angeregt und der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren gefördert werden.

Das Projekt wird Weiterbildungen für Beamtinnen und Beamte auf Gemeinde- und Distrikt-Ebene in Caquetá, Meta und Putumayo mit Beratungstätigkeiten für die UARIV in Bogotá kombinieren. Die in den Distrikten gesammelten Informationen, einschließlich lokaler Herausforderungen und möglicher Lösungen in Bezug auf die Implementierung des rechtlichen Rahmens, werden daher direkt an die UARIV übermittelt. Im Rahmen des Projektes werden zudem verschiedene Instrumente entwickelt, wie z.B. Ausbildungsmaterialien, ein Leitfaden und ein Netzwerk lokaler Akteure im Entschädigungsprozess, um dauerhafte Reparationsstrategien sicherzustellen. Letztlich sollen die Ergebnisse des Projektes in einer Abschlusskonferenz in Bogotá vorgestellt werden.

In Kooperation mit:

Unidad para la Atención y Reparación Integral a las Víctimas

Laufzeit

1. März 2016-31. Dezember 2017

Finanzierung