Erster Workshop über Restorative Justice in Kabul, 4.–5. März 2014

Die Max-Planck-Stiftung führte auf Initiative des afghanischen Justizministeriums relevante Akteure in das Konzept der Restorative Justice ein. Beabsichtigt war, eine Neuausrichtung des Verhältnisses von staatlichen Gerichten und Stammesräten anzuregen

Ausgangspunkt für das Projekt über die Anwendung von Restorative Justice im gesellschaftlichen und juristischen Kontext in Afghanistan waren die „Basic Principles on the Use of Restorative Programs in Criminal Matters“, die der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen 2002 verabschiedeten hat.

Relevanten afghanischen Akteuren wurden diese Grundprinzipien vermittelt und als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines eigenen gesetzlichen Rahmenwerks für Stammesräte und ihr Verhältnis zum afghanischen Gerichtssystem empfohlen.

Für Restorative-Justice-Ansätze im afghanischen Kontext sind drei Faktoren besonders zu beachten: zivilgesellschaftliche Akteure, Stammesräte und traditionelle Verfahren der Streitbeilegung sowie das staatliche Gerichtssystem. Die praktische Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass die Zivilgesellschaft für die Anwendung der Restorative Justice eine besonders wichtige Rolle spielt, da sie der Gesellschaft und betroffenen Individuen weitaus näher ist als staatliche Instanzen. Der erste Workshop hat sich daher dem Thema Zivilgesellschaft im Zusammenhang mit Restorative Justice gewidmet.

Herrn Dr. Mohammad Farajiha, Fachbereichsleiter für Strafrecht und Kriminologie der Fakultät für Rechtswissenschaften und Dozent an der Tarbiat Modarres Universität in Tehran, ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Restorative Justice und leitete alle drei Workshops. Er übersetzte auch die „Basic Principles on the Use of Restorative Programs in Criminal Matters“ sowie das Handbuch der Vereinten Nationen über Restorative Justice ins Dari.

Im Anschluss an die Workshopreihe will die Max-Planck-Stiftung voraussichtlich im Mai eine internationale Konferenz in Kabul organisieren, bei der die Ergebnisse der Workshops vorgestellt werden. Zusätzlich sollen in dieser Konferenz den Teilnehmern/-innen andere Länderbeispiele vorgestellt werden. Geplant ist im Anschluss daran die Einrichtung von Arbeitsgruppen, die ein Grundsatzpapier entwerfen. Das Grundsatzpapier und die Ergebnisse des Projektes sollen auf einer abschließenden Konferenz Ende des Jahres vorgestellt werden.

Die Entwicklung des Grundsatzpapiers erfolgt in Eigenverantwortlichkeit der der afghanischen Institutionen, insbesondere des Justizministeriums.

Weitere Informationen zu „Informal Justice as Restorative Justice - Projekt zur Verbesserung des Verhältnisses von staatlichen und traditionellen Schlichtungsmechanismen in Afghanistan“